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Herzlich Willkommen im Pfarrbereich Schenkenberg

Frohe und gesegnete Ostern!

„Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“ →

In diesem Jahr ein wirklich fröhliches Osterfest zu wünschen, fällt im ersten Moment nicht so leicht. Im zweiten aber kommt es uns um so deutlicher über die Lippen… Denn gute Wünsche zu sagen, ist ja, wenn alles läuft, eine leichte Übung und manchmal sind wir dabei durchaus schnell und etwas oberflächlich. Wir sagen „Frohe Ostern!“ und denken uns nichts weiter…. Gute Wünsche zu sagen, wenn es gerade nicht so gut geht, lässt den mit dem Wunsch Bedachten spüren, dass wir mit unseren Gedanken wirklich bei ihm sind. So möchte ich mit meinen Gedanken bei Ihnen allen sein und mit Bedacht „Frohe und gesegnete Ostern!“ wünschen.

Ohne jetzt mit einer langen Aufzählung zu beginnen, welche Lebenslagen es alles im Moment gibt, weiß ich, dass viele von Ihnen in durchaus angespannter Situation sind - familiär, beruflich, persönlich. Und das es mancherlei Ängste gibt, die wir nicht einfach wegwünschen können oder gar aus- und schönreden, weil doch in einer Krise immer auch eine Chance läge…

Natürlich wird uns später einmal in Erinnerung kommen, was wir in dieser Zeit gelernt haben. Wird manches uns an Erfahrung begleiten, hoffentlich auch positiv.

Es liegt mir aber fern, in die mancherlei Stimmen mit einzustimmen, die sich an Deutungen dieser Krise versuchen. Am Eigenartigsten wird es, wenn dazu auch noch der liebe Gott oder die Bibel herhalten muss.

Natürlich sage ich als gottgläubiger Mensch, dass alles, was ist und was ich erlebe und was ich erfahre und was mir widerfährt, etwas mit Gott zu tun hat. Und ich mag es am Ende auch aus Gottes Hand nehmen. Das ist so, weil alles, was ist, in einer von Gott gewollten, getragenen und geliebten Welt passiert. Nicht Alles als Etwas, was Gott will, sondern als Etwas, das Gott aushält, weil wir Menschen so sind wie wir halt sind…

Mein Gottvertrauen widersetzt sich der Vorstellung, dass diese Krise eine von Gott gemachte, gesandte oder irgendwie…. ist.

Und auch wenn es ein paar besonders bibelfromme Zeitgenossen gerne mit den Plagen für den Pharao im Alten Testament vergleichen wollen: das ist alles erst im Rückblick so gedeutet. So, wie wir Menschen immer erst in der Rückschau verstehen…vielleicht manchmal so gar schlauer sind, hinterher.

Gott macht so was nicht! Gott hat so etwas nämlich weder nötig, noch passt es zu ihm, noch mag er so was. Er schenkt uns doch nicht seinen Sohn, unseren Heiland Jesus Christus, um uns dann so eine Pandemie zu schicken. Er geht als liebender Vater mit seinem Sohn nicht durch die Leiden des Kreuzes und des Todes, um uns dann doch noch mittels Viren umzubringen…

Das alles ist Blödsinn und der geschickte Versuch, einen Verantwortlichen zu finden, um nicht verantwortlich zu sein: Die Kommunisten können es nicht mehr gewesen sein und wenn es die Chinesen nicht waren, dann waren es die Amerikaner und wenn die nicht, dann irgendwelche Verschworenen oder Angelika und wenn die nicht, dann eben Gott…der kann sich nicht wehren.

Wir Menschen werden - noch einmal - die eine und andere Lehre aus diesen Ereignissen ziehen, manches werden wir beachten, anderes werden wir vergessen und wieder anderes sein lassen, weil es zu unbequem ist oder unseren Wünschen im Weg steht.

Und so besteht die Gefahr, dass am Ende alles beim Alten sein wird…und doch wird Ostern!

Ostern ist die göttliche Antwort auf alle Gefährdungen des Lebens, alle Krisen und Katastrophen, aller Erfahrung des Leidens, der Schmerzen und des Todes.

Denn bei aller großer Schlagzeile, bei aller Statistik, bei aller Deutung, wozu und warum: Krisen, Katastrophen werden immer von einzelnen Menschen erlebt und erlitten.

Sie mögen in der Vielzahl stattfinden, sind aber in der Einzahl groß, leidvoll, schmerzhaft.

Mitten in unserer Gemeinschaft ist der Einzelne erschöpft, einsam, ängstlich, sterbend, trauernd, allein…

So wie Maria-Magdalena am Ostermorgen, als eine aus der Gruppe derer, die Jesus folgten, dort im Garten Gethsemane. Allein ist sie, erschöpft vom Tag unter dem Kreuz, traurig über den Tod ihres geliebten Jesus, enttäuscht von Gott, der sich so verborgen hält, vielleicht gar nicht da ist, hoffnungslos, trauernd, zerbrochen…auf einem Weg… Dem, der weitergeht,… Der doch immer weitergeht… Es geht doch immer weiter…muss ja…Bloß: Wohin?

Ostern ist nicht wie eine putzige Geschichte, die man nur kleinen dummen Kindern erzählen kann, wie die vom Osterhasen. Kinder sind klug und je kleiner, desto klüger sind sie. Kinder spüren etwas davon, dass es mehr gibt als das, was wir sehen, vor Augen haben, anfassen können, berechnen, regeln, anordnen… Kinder sind klug, weil sie vertrauen. Kinder sind mutig und neugierig. Sie suchen hinter dem Strauch, dem Stein und freuen sich an der Überraschung…

Ostern ist eine Geschichte für mutige und kluge Leute. Sie ist etwas für uns Kinder. Nicht für das Kind in uns, sondern für das Kind, das wir immer bleiben…gerade dann, wenn wir allein sind…mitten im Leben…Sehnsüchtig suchend danach; zu sein wie ein Kind in Mutters Arm, an des Vaters Hand…

Maria-Magdalena lässt sich bei dem kindlichsten und persönlichsten ihres Wesens rufen, bei ihrem Namen: Maria…Und Maria entdeckt das Leben, den Heiland neu. Ganz anders. Immer noch am Grab aber auf einem neuen gewissen Weg. Weil es weitergeht mit Gott. Weil sie erlebt, wie nicht der Tod das Letzte bleibt, sonder das Leben mit und bei Gott; in seinen Händen, unter seinen Händen, durch seine Hände gehalten, geborgen, geheimnisvoll wie in der Mutter Schoß und im Arm des Vaters…

Getröstet mit neuem Mut wird Maria aufbrechen und bezeugen in einer Welt der Krise, der Vergänglichkeit: „Ich habe den Herrn gesehen und das hat er zu mir gesagt.“

Darum gilt es jetzt und heute und in diesem Jahr besonders, Ihnen „Frohe und gesegnete Ostern!“ zu wünschen. Allen und jedem einzelnen in seiner ganz persönlichen Lage und Situation. Und das dürfen und sollen wir unter einander tun, ganz mit Bedacht.

Wir können das in diesem Jahr nicht in den Ostergottesdiensten tun. Wir müssen auf die Um-armung, den Handschlag verzichten, das Stehen am Osterfeuer, das Entzünden der Osterkerze. Darum ja auch dieser Brief an Sie alle.

Wir müssen aber nicht darauf verzichten, uns den alten Ostergruß zu zu singen: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden. Halleluja!“

Und wir können dennoch ein Osterlicht anzünden, das uns leuchtet auf unserem Weg.

Das Vertrauen in diese fröhliche österliche Botschaft vom Sieg des Lebens haben wir in diesem Jahr mehr als nötig. Das soll uns stark machen.

Es werden noch Momente kommen, in denen wir an die Grenze des Ertragbaren gelangen werden. Momente, in denen Gedanken des Todes und der Trauer nach uns greifen, wo die Verzweiflung wächst. Gemeinsam werden wir noch an manchem Grab stehen müssen und nach dem Trost fragen, der aus der Botschaft des Evangeliums, von Ostern her kommt. Wir werden noch durch manches Tal von Tränen gehen.

Am Ende aber wird nicht die Bitternis des Todes siegen, sondern wird das von Gott geschenkte Leben stehen voller Überraschungen, von ungekannter Schönheit und neuer Fröhlichkeit.

Ich freue mich, wenn ich noch mit dabei sein darf und wir uns wieder begegnen, umarmen und nahe sein können. Und wenn nicht, dann schaue ich von Gottes Seite aus zu, denn ich lasse Euch nicht aus dem Blick meines Herzens.

Das alles wird so sein, weil Gott das Leben will, immer wieder. Seit Ostern damals, wie auch zu Ostern heute und so fort. Darum: „Fröhliche und gesegnete Ostern!“

Ihr Pfarrer Matthias Taatz

Schenkenberg zu Ostern Zweitausendundzwanzig nach Christus

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