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Herzlich Willkommen im Pfarrbereich Schenkenberg

Neujahrsgruß

Liebe Leser,

nun ist das neue Jahr schon ein paar Tage alt, dass ich Ihnen allen auch an dieser Stelle ein gesegnetes, gesundendes und erfüllendes Neue Jahr wünschen darf. Über das Altjahr ist soviel in Presse, Funk und Fernsehen reflektiert worden, dass ich dem jetzt hier nicht mehr hinzufügen möchte. Was wir uns für das neuen Jahr wünschen, ist ebenfalls in aller Munde und es ist ja auch mehr als deutlich unsere Hoffnung, dass wir die unmittelbaren Belastungen aus der Pandemie loswerden.

Wir wollen zu vielen schönen Dingen zurückkehren, die uns miteinander verbinden und unsere gemeinsames Leben erneut bereichern werden. Das wird auch gelingen, auch wenn vielleicht manches mit einem anderen Blick geschehen wird. Manches wir sich neu ordnen. Einiges an neuer Erfahrung dazukommen. Immer wieder werden wir alle mit etwas Zeit auch die leiseren Folgen der Erfahrungen dieses Jahres bei uns selbst und anderen wahrnehmen. Dann heißt es, darauf richtig zu reagieren und damit um gehen.

Und da mag uns die diesjährige Losung aus der Bibel helfen, die gewissermassen programmtisch über diesem Jahr steht, wie sie über unserem ganzen Leben stehen sollte:

Jesus Christus spricht: „Seid barmherzig, wie auch eurer Vater barmherzig ist!“

 Barmherzigkeit kommt in unserem heutigen auf Effizienz und Evidenz  ausgerichtetem  Alltag nur wenig vor oder eher garnicht vor. Am ehesten sprechen wir von Mitleid, wenn wir diese Regeln des Alltags durchbrechen. Mitleidsfähigkeit zählen wir zu den natürlichen Persönlichkeits-merkmalen des Menschen. So wichtig auch Mitleid ist, Mitleid versucht in unserem Gebrauch eine bedrückendes Situation zu lösen. Sie erscheint aber doch zugleich damit immer wie etwas, das aus einer gefestigten Position jemanden zugewendet wird.

Barmherzigkeit aber meint etwas Anderes und Umfassenderes. Zur Barmherzigkeit muss ich mich entschließen, die kann ich wollen. Barmherzigkeit ist eine Lebenseinstellung, die nicht von äußeren Voraussetzungen abhängig ist. Barmherzig kann jeder Mensch sein und er ist dann ein Mensch der Barmherzigkeit. Barmherzigkeit macht nicht Halt beim Problem, sondern nimmt den Menschen in den Blick, macht Halt beim ganzen Menschen.

In dieser deutschen Übersetzung (das B ist Lautgeschichte) eines lateinischen Begriffes steckt, das „sich jemandem Armen (also der Person) zuwenden“ drin. Oder wie vielleicht nicht ganz sprachlich korrekt aber bildlicher: Wer barmherzig ist, macht sein Herz arm (leer) für einen anderen Menschen. In unserem Herzen wohnt nach altbiblischer Vorstellung neben dem Verstand das Größte, was zu uns Menschen gehört, die Liebe!

Also, wer liebt, der ist barmherzig. Und das kennen wir zu gut. Wo wir das Geschenk unseres Lebens erhalten, dass wir einen Menschen ganz liebgewinnen dürfen, da geht es uns so, dass wir an ihn unser Herz verlieren (leer machen).

Das geht nicht nur Menschen unterschiedlichen oder gleichen Geschlechtes so, das geht Eltern mit ihren Kindern so, das geht Kinder mit ihren Eltern so, das geht uns Menschen untereinander mit anderen Menschen so über alle möglichen Grenzen hinweg. Da kommt Leidenschaft mit ins Spiel und da wird unser Leben gefüllt mit Gaben und Erfahrungen, die uns Tränen des Glücks weinen lassen.

Nun soll aber Barmherzigkeit sich nicht verfangen in einem Gefühl, sondern soll konkret werden. Darum verweist uns Jesus Christus auf die Barmherzigkeit Gottes als Vater der Himmel. Dabei steht das „wie“ nicht als ein berechnendes, abwägendes da, sonder eher vergleichendes.

Gott ist der Barmherzige, der sein Volk Israel in seiner Gottesgeschichte immer wieder im Auf und Ab der Zeiten  bei sich Geborgenheit gibt. Was haben die Kinder Israel im Laufe der Geschichte nicht alles erleben und erleiden müssen?

So hat das Wort Barmherzigkeit im Hebräischen auch die Bedeutung Mutterschoß, wird Gott bildlich auch als Mutter gezeichnet und verstanden.

Wie oft sehnen wir uns, flüchten wir uns als Menschen, nicht nur als Kindern in den Schoß unserer Mutter. Wie schwer haben es Menschen, die das nicht kennenlernen durften. Wie schwer haben wir es selbst als reif gewordene Erwachsenen noch, wenn wir unsere Mutter hergeben müssen. Ihr Schoß steht für die absolute Geborgenheit, die uns schützt und bewahrt und trägt. Aus dem Schoß der Mutter kommend, wird uns das Leben geschenkt.

Immer wieder ist Gott auf dem Weg von uns Menschen da wie ein Vater, wie eine Mutter: werbend, bittend, flehend, dass wir  uns an seiner Liebe auf- und ausrichten.

Immer wieder ist Gott auf dem Weg von uns Menschen da: tröstend, vergebend, schützend, dass wir uns in seiner Liebe bergen und einhüllen.

Immer wieder ist Gott auf dem Weg von uns Menschen da: Mut machend, Sinn stiftend, Wege zeigend, dass wir ihm mit unseren Tun in Gedanken, Worten und Werken folgen.

Folgen in Werken der Barmherzigkeit: Hungernde speisen, Durstende tränken, Nackte bekleiden, Fremde aufnehmen, Kranke pflegen, Gefangene besuchen, Tote begraben, Trauernde trösten…

Nun mag uns das „Seid“ am Beginn etwas schroff am Anfang eines neuen Jahres anmuten.

Ein Imperativ erschreckt uns mit der Frage: Was ist, wenn wir es nicht schaffen?

Es klingt zu sehr für unsere Ohren nach „Seid bereit immer bereit!“

Ein neues Jahr lädt uns ein, Anderes zu probieren, uns auf Neues einzulassen, Bewährtes fortzusetzen…

Formulieren wir nicht weniger zielstrebig und doch weicher, fühlen wir uns alle im neuen Jahr (die griechische Form gibt es her) eingeladen:

Jesus Christus spricht: „Werdet barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist.“

Wie das aussehen kann, habe ich voller Dankbarkeit in diesem Tagen erfahren. In Hülle und Fülle sind die kleinen Tüten „Brot für die Welt“ zu mir zurückgekehrt, kehren noch zurück und können noch weiter zurückkehren. Alle, die sich haben ansprechen lassen, haben mit dem Barmherzigsein schon begonnen: 4000,00 € können wir für die Ärmsten der Armen dieser Welt weiterreichen, genau soviel, wie wir Jahr für Jahr in den Gottesdiensten am Heiligen Abend sammeln. Danke, dass Sie alle - trotz der eigenen Sorgen - die Menschen in der Welt nicht vergessen haben…

Ich wünsche Ihnen, uns miteinander ein Weiter in einem gesegneten, gesunden, barmherzigen und gnadenreichen Jahr 2021 in dem wir uns froh und fröhlich begegnen werden!

Herzlich

Ihr

Pfarrer Matthias Taatz

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