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Herzlich Willkommen im Pfarrbereich Schenkenberg

Adventeszeit

Pfarrer Matthias Taatz befindet sich (planmäßig!) im Krankenhaus zu einer OP. Er hofft, dass die Sache schnell und reibungslos verläuft, damit er zur Weihnachtzeit wieder fit und auf dem Posten ist. Damit Gottes Wort aber nicht fehlt, finden Sie hier jede Woche eine kleine Andacht zum Advent:

Im Anfang… (Andacht zum 1. Advent) → Advent – Gott kommt zur Welt. Anhand von Versen aus dem ersten Kapitel des Johannes-Evangeliums möchte ich mit Ihnen in diesen Wochen durchbuchstabieren, was da drin steckt: Gott kommt zur Welt …

Im Anfang …

Mit diesen zwei Wörtchen beginnt das Johannes-Evangelium. Und damit sind wir gleich bei einer Frage, die ich manchmal ziemlich spannend finde: Wo ist der Anfang? Wo fängt eine Geschichte an? In einem Roman ist der Anfang im ersten Kapitel, in einem Spielfilm direkt nach dem Vorspann, manchmal schon im Vorspann. Aber die Leute, die da vorkommen, die „gibt“ es ja schon vorher, und die haben alle ihre Vor-Geschichte …

Oder bei Ihnen: Sie könnten jetzt eigene Geschichten erzählen: Die Geschichte einer Freundschaft, die Geschichte einer Laufbahn, einer Partnerschaft, einer Kindheit. Eine Geschichte des Glücks, eine Geschichte des Scheiterns. Ihre Lebens-Geschichte, Ihre Autobiographie. – Überlegen Sie doch mal: Welche Überschriften kämen für Ihre Autobiographie in Frage? Welchen Titel würden Sie wählen?

Wo sind nun die Anfänge Ihrer verschiedenen Geschichten? Es gibt ja immer ein „Davor“, aus dem jeder Anfang entspringt. Und jeder Anfang kann seinerseits neue Anfänge „zur Welt bringen“. Mit Hermann Hesse: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …“. – Na ja, manchmal auch ein Fluch …

Also: Mit der Frage nach dem Anfang einer Geschichte werden Sie nie ganz fertig. Oder Sie sagen: „Da setze ich jetzt einfach mal den Anfang der Geschichte fest, und basta!“ Wegen so eines „basta“ feiert man sein Firmenjubiläum – und nicht etwa den Tag, an dem man damals die Stellenanzeige entdeckt hat. Man feiert Geburtstag – und nicht den Tag der Zeugung (ist ja oft auch nicht genau bekannt). Man inseriert zum Todestag von Tante Lotte – aber nicht schon zu dem Tag, wo das letzte Mal ein Verwandter nach ihr gesehen hat. Zurück zum Johannes-Evangelium. Das verrät uns interessanterweise nicht, wann der Anfang war, sondern was der Anfang war: „das Wort“!

Im Anfang war das Wort …

Ein Wort kann tatsächlich einen Anfang setzen, etwas Neues schaffen. Nehmen Sie z.B. Ihren Namen unter einem Kaufvertrag. Oder das „Ja!“ vor dem Standesbeamten. Oder „Guten Tag“ als Beginn eines Gesprächs. Genauso kann ein Wort ein Ende setzen: das „Amen“ beim Beten, das „Exitus!“ im Operationssaal, das „Zieh Leine!“ im Gespräch. Worte schaffen Wirklichkeiten: Wenn Sie sagen: „Ich grüße Dich!“, dann beschreiben Sie nicht etwas, was Sie auch ohne diese Worte täten, sondern: Es tun und es benennen, das ist dasselbe. Ganz ähnlich: „Ich verzeihe Dir!“ oder „Ich gratuliere Dir!“ Worte schaffen Wirklichkeit.

Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott. Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist. (Johannes 1, 1-3)

Gott schafft einen Anfang. Durch sein schöpferisches Wort. Der Evangelist sagt sogar: Gott ist das Wort, das die Welt schafft – „und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.“ Also: Gott und der Urknall? Damals, vor geschätzten knapp 14 Milliarden Jahren? Ja, das auch. Aber mir scheint: Unser Text geht noch weit, weit darüber hinaus. Denn „alle Dinge sind durch dasselbe (Wort) gemacht“. Gott ist mehr als „nur“ der Billardspieler, der irgendwann den Anstoß gibt, und dann laufen die Kugeln von allein. Nein, nichts läuft „von allein“. Im Glaubensbekenntnis heißt es ja nicht: „Gott, … der alles geschaffen hat“. Sondern: „Schöpfer des Himmels und der Erde“. Und falls Sie ein Sprach-Freak sind: In der Bibel ist öfters von Gott als dem „Schaffenden“ (Partizip) die Rede. Also kein abgeschlossener Vorgang damals, sondern gegenwärtig, andauernd. Gott hat nicht die Welt geschaffen (das auch), sondern er schafft sie.

Dieses Gegenwärtige steckt auch in unserem „Im Anfang war das Wort“ mit drin. Denn im griechischen Original ist das Wort für „Anfang“ zugleich das Wort für: „Herrschaft“. Also nicht nur ein Punkt in der Verrgangenheit, sondern etwas, was gegenwärtig wirkt. Eine Kraft, eine Macht. Nun sagen Sie vielleicht: „Das wird mir jetzt zu philosophisch, weil ich da gar nicht mehr drin vorkomme!“ Doch, kommen Sie! Denn: Gott hat auch mit Ihren kleinen und großen Anfängen zu tun!

Vielleicht fällt Ihnen da ein Anfang ein, der für Sie gerade aktuell ist. Ein Anfang, der sich abzeichnet. Oder der schon eingetreten ist. Ein Anfang, auf den Sie sich freuen, den Sie erhoffen. Oder einer, den Sie befürchten, den Sie am liebsten herausschieben oder ganz „absagen“ würden. Hier: Hoffnung, Vorfreude, gespannte Erwartung. Dort: Angst, Sorge, vielleicht Lähmung oder hektischer Aktionismus.

Wo immer Sie es mit einem Anfang zu tun haben, haben Sie es zugleich mit Abschied zu tun: Etwas Altes, Vertrautes endet. Vielleicht ist es ein Abschied mit Erleichterung, vielleicht tut er verflixt weh. Vielleicht geht es Ihnen mit dem Abschied gar nicht schnell genug, vielleicht wollen Sie ihn vermeiden, herausschieben, gar nicht wahr haben.Dass Gott am Anfang ist, dass dürfen Sie nun mit hineinnehmen in Ihren Anfang: Ihr Anfang, auch wenn er schlimm ist, er ist nicht ohne Gott. Und Sie dürfen Gott in Ihren Anfang ausdrücklich hinein bitten – dass er Sie gerade an dieser Stelle segnet.

So kann dann wirklich – mit Hesse – „jedem Anfang“ ein „Zauber innewohnen“, „der uns beschützt und der uns hilft zu leben“. Im Anfang kommt Gott zur Welt. In Ihrem Anfang kommt Gott zu Ihnen. Und Sie zu Gott.

In diesem Sinne: Gesegnete Adventszeit!

Gebet (nach Eduard Mörike):

In Dir sei’s begonnen, der Monde und Sonnen
an blauen Gezelten des Himmels bewegt.
Du, Vater, du rate! Lenke und wende!
Herr, dir in die Hände sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!

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