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Herzlich Willkommen im Pfarrbereich Schenkenberg

Ostern… so war es mal

Liebe Leser – Ich grüße Sie alle herzlich in der sogenannten stillen Woche und an den stillen Tagen in denen wir als Christen den Tod Jesu am Kreuz bedenken, auch wenn es dieses Jahr aus ganz anderen Gründen stiller geworden ist in unserem Land. Wie oft habe ich mich in den Jahren gewundert, aufgeregt und still geärgert, wenn im Zugehen auf den Karfreitag und den stillen Karsamstag, der als Tag der Grabesruhe Jesu kein Ostersonnabend ist, alle die Baumärkte enterten und anschließend ein geräuschvolles Bauen, Renovieren und Arbeiten in Haus, Hof und Garten begann; selbst die Friedhöfe vor den Aktivitäten nicht verschont blieben. Es gibt sogar Dörfer, die am Karfreitag Preisskat abhalten.

Wie zurückhaltend alles in diesem Jahr. Und ehe wir uns über die Zwangsstille zu sehr ärgern, rufen wir uns lieber ins Gedächtnis, dass die Osterzeit eben erst wirklich mit dem Osterfest beginnt und dann 40 – in Worten: vierzig – Tage bis Himmelfahrt andauert, so dass das Heraushängen des Osterschmuckes, wie man es trotz der Krise auch in diesem Jahr vereinzelt sehen kann, wirklich noch Zeit hätte.

Dabei freue ich mich über diese Aktionen sehr, auch dass wir hier in Schenkenberg nun einen österlich geschmückten Brunnen haben.

Noch mehr freute ich mich, wenn er erst eben am stillen Sonnabend geschmückt würde oder frühesten am Sonntag Palmarum, das ist der Sonntag vor dem Osterfest…. Am Sonntag Palmarum war ganz früher Konfirmation, weil das Schuljahr da zu Ende ging. Später und zu meiner Kinderzeit war oft Familiengottesdienst, weil sich die Erzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem so schön religionspädagogisch darstellen ließ.

Dann verschwand aus unserem Zuhause aller irgendwie zu fröhlich aussehender Schmuck, in der Speisekammer standen schon Zweige bereit, aber noch unbeachtet. Am Dienstag war noch einmal kurze Chorprobe im Posaunenchor für das Osterfest. Schule war natürlich auch. Der Gründonnerstag wurde, da nicht öffentlicher Feiertag, mit einem Abendgottesdienst begangen, zu dem wir Kinder nicht mit mussten.

Am Karfreitag zum Gottesdienst waren wir natürlich alle mit. Das war ein etwas stillerer Gottesdienst verbunden mit der Feier des Heiligen Abendmahls, zu dem wir als Kinder natürlich noch nicht zugelassen waren. Wir haben darunter nicht gelitten, sondern freuten uns um so mehr auf unsere Konfirmation. Ich kann mich nicht einmal an die heute gängige Praxis der Kindersegnung erinnern, ob es die gab.

Viele Gemeinden lassen bereits zu Karfreitag die Glocken schweigen, auch werden die Altäre nicht mit Blumen und Kerzen geschmückt. Das ist recht unterschiedlich in den Traditionen. Es gibt evangelische Gemeinden, die zur Sterbestunde Jesu um 15.00 Uhr die Glocken noch einmal läuten und oft findet dazu eine Andacht oder Musik statt. Bei mir im elterlichen Pfarrhaus gab es am Karfreitag ein zurückhaltenderes Mittagessen, meistens eine Suppe. Fisch mag ich bis heute nicht.

Ab Karfreitag gab es kein Fernsehen mehr und auch das Radio in der Küche, das sonst immer lief, war aus. Es herrschte eine gediegene Stille. Und in dieser Stille begann am Nachmittag das Färben der Ostereier, die im Pfarrhaus immer in beträchtlicher Zahl gefärbt werden mussten. Das war schön. Meine große Schwester verstand sich auf in der Lausitz übliche Wachszier- und Färbetechnik und gestaltete Eier zum Aufhängen. Noch aber war es nicht so weit. Es ging in den Abend hinein und in den stillen Sonnabend, der bei uns zuhause wirklich still war. Kein Fernseher, keine Radio, kein Gesang. Gemeinsame Mahlzeiten, die geprägt waren vom Warten auf das kommende Osterfest. Nur ich musste Trompete üben, wegen Ostern.

In meiner Kinderzeit gab es noch keine Feier der Osternacht in unserer Kirche, wie es heute oft Brauch ist um 22.00 Uhr oder am frühen Ostermorgen.

Wir, mein Bruder und ich, wurden von unserer Mutter gegen 6.15 Uhr am Morgen des Ostersonntags geweckt und in Marsch gesetzt. Denn es ging mit dem Posaunenchor in gut 20 Minuten zum Südfriedhof. Alle noch etwas müde und in der zumeist kühlen Luft fröstelnd verlief der Weg ruhig. Am Friedhof angekommen, wurde kurz angeblasen und dann ging es nacheinander in die vier Ecken des Friedhofes und es wurden Osterlieder gespielt. Manchmal gab es auch in der Kapelle noch eine Frühandacht, aber die entfiel später, weil es kaum Beteiligung aus der Gemeinde gab. Manchmal lag ich etwas Schnee.

Besonders in Erinnerung ist mir immer das Spielen auf der Seite des Friedhofes geblieben, wo über die Mauer hinweg die hintere Front der Patientenzimmer des Krankenhauses St. Barbara zu sehen war. Kaum hatten wir begonnen, schon öffneten sich ein Fenster nach dem anderen. In einigen erschienen Gesichter von Patienten, in anderen die Hauben der Schwestern. Man kam sich in der Kälte richtig gut vor, als Jugendlicher die frohe Botschaft auszubreiten. So etwas wie Beifall fand damals noch nicht statt.

Und doch gingen wir im Bewusstsein eines guten Dienstes eilig nach Hause zurück. Dort erstrahlte die Wohnung im österlichen Schmuck. Das hatte unsere Mutter in der Zwischenzeit alles hergerichtet. Dann gab es ein leckeres Frühstück und natürlich auch die versteckten Kleinigkeiten als Ostergaben zum Suchen.

Im Anschluß ging es zum Ostergottesdienst in die Johanneskirche gegenüber, zuvor oft erst noch in die Lauchtstädter Straße in eine weitere Predigtstätte der Gemeinde. Dann waren wir Kinder aus allen österlichen Pflichten nach dem Mittag entlassen und durften uns mit den Dingen beschäftigen, die wir jeweils gerne hatten. Natürlich kam Besuch ins Haus und es wurde gemeinsam gefeiert. Man musste auch schon wieder an die Schule denken, denn der Ostermontag war ab 1967 kein Feiertag. Diesen Wechsel von der Stille der Karwoche hin zum fröhlichen Jubelt des Osterfestes versuchen viele Gemeinden heute in der Feier der Osternacht auf zu nehmen. So beginnt der Gottesdienst im Dunklen, in der Stille des Karfreitages und wird erhellt durch das Hereintragen der Osterkerze und dem Verlesen des Osterevangeliums. Dazu erklingt der alte Osterruf: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!“

Pfarrer Matthias Taatz

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