Am Sonntag, 14. Juni 2025, fand in Possdorf wieder das Tauffest statt - unter freiem Himmel! Zusammen mit der freien Hebamme Bettina Paubandt hat Pfarrer Matthias Taatz diese Taufe unter freien Himmel ins Leben gerufen, dass nun schon zum dritten Mal stattfand. Mehr dazu lesen Sie hier unter der Fotogalerie - die Fotos vom diesjährigen Fest stammen von Patricia Meyer!
Sieben auf einen Streich
Im Juni fand in Poßdorf das Tauffest statt. Dazu eingeladen hatte der Schenkenberger Pfarrer Matthias Taatz und er hatte im Gepäck ein Sammelsurium liturgischer Gerätschaften aus etlichen Kirchen seinen großen Pfarrbereiches: So z. B. die 500 Jahre alte Taufschale aus Laue, die Osterkerze aus Schenkenberg und Taufkannen aus sieben weiteren Gotteshäusern. In Poßdorf wollten sieben Kinder getauft werden – und da der winzige Ort, gelegen zwischen Sausedlitz und Reibitz, keine Kirche sein Eigen nennen darf, fand das Ganze unter freiem Himmel in einem Zeltpavillon statt. Und das bereits zum dritten Mal in Folge. Vor zwei Jahren waren es 14, letztes Jahr 4 und nun 7 Täuflinge. Summa summarum: 25 Kinder in drei Jahren. Laut Wikipedia zählt Poßdorf 59 Einwohner – wobei aber die ländliche Abgeschiedenheit dieses Taufwunder allein nicht erklären kann. Das Phänomen ist vielmehr eng verbunden mit Bettina Paubandt, die als freie Hebamme hier ihre Praxis hat. Ihr Dreiseitenhof nennt sich „Storchennest“ und besteht aus der Hebammenpraxis „Storchenei“ und der Kita „Storchenkücken“, welche von ihrer Tochter geleitet wird... ein Projekt, das übrigens bereits zweimal Fördergelder aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (EPLR/LEADER) erhalten durfte.
Mit Bettina Paubandt war vor drei Jahre Pfarrer Taatz ins Gespräch gekommen und im Ergebnis dessen wurde am Ende das „Poßdorfer Tauffest“ ins Leben gerufen. Viele der werdenden Mütter wurden und werden in der Hebammenpraxis betreut – von der Geburtsvorbereitung bis hin zum Wochenbett und kennen daher das „Storchennest“ sehr gut. Manche Kinder haben hier auch das Licht der Welt erblickt. Das nun jedes Jahr hier zu einem Tauffest eingeladen wird, fanden und finden viele von den Eltern toll. Pfarrer Matthias Taatz: „Die Schwelle ist bei diesem Angebot niedrig. Viele der jungen Familien sind in Sachen Glauben ein bisschen unentschlossen oder stehen eher am Rande. Ihnen fehlt ein bissel der Mut, in einer Kirche diesen fürs Leben Halt gebenden entscheidenden Schritt zu vollziehen. Meist ist auch nur ein Elternteil ein Christenmensch oder in der Familie wenige, die dazu gehören – da bietet das Tauffest im Umfeld des Geburtshauses eine echte schöne Alternative, um sich nach einer Vorbereitung für die Taufe zu entscheiden.“ Er vergleicht dieses Glaubensbekenntnis unter freiem Himmel mit der Apostelgeschichte 8,26: Die Taufe des „Kämmerers aus Äthiopien“.
Hintergrund: In der Apostelgeschichte 8,26ff wird berichtet, wie der Apostel Philippus von einem Engel angewiesen wird, eine bestimmte Straße in Richtung Gaza zu gehen. Dort trifft er auf einen äthiopischen Kämmerer, einen hohen Beamten der Königin Kandake, der in seinem Wagen sitzend aus dem Buch des Propheten Jesaja liest, aber den Sinn nicht versteht. Philippus gesellt sich zu ihm, erklärt ihm die Schriftstelle, die von Jesus handelt, und der Kämmerer bittet daraufhin, getauft zu werden. Philippus tauft ihn, und der Kämmerer zieht danach voller Freude seinen Weg.
Bei strahlendem Sonnenschein fand das Tauffest in Poßdorf statt. Einbezogen wurde dabei jede Familie und wo es schon Geschwisterkinder gab, durften diese dann die Taufschale mit dem Taufwasser aus den Taufkannen füllen. Nach der feierlichen Taufe lud Pfarrer Taatz – wie jedes Jahr – alle herzlich zur Familienkirche nach Schenkenberg ein. Viele sind bisher dieser Einladung gefolgt. Er weiß aus Erfahrung: „In diesen Familien findet kirchliches Leben nicht so statt, wie es früher die Regel war. Aber ein geistliches Leben findet statt und die Leute sind mit dem lieben Gott verbunden – und darauf kommt es schließlich an!“ Der Termin für das Tauffest 2026 steht schon fest – die ersten Anmeldungen liegen vor. Andreas Bechert
